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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Kritik der Schulpflicht - zweiteiliger Podcast



hörenswert - lesenswert



"Erwin, das ist nicht dein Fachgebiet", zweiteiliger Podcast zur Kritik der Schulpflicht, des Schulzwangs, des staatlichen Bildungsmonopols, der Standardisierung. Aufhänger ist eine schriftliche Äußerung des CSU-Politikers und Staatsministers a.D. Erwin Huber zur Schulpflicht.





Der Autor des Podcasts bietet auf seinem Blog den Essay zum Nachlesen (mit Literaturverweisen) auch als PDF-Dokument an.

Montag, 17. August 2009

Zum 14. Geburtstag von Manuel Fischer


Eine nicht enden wollende behördliche und juristische Auseinandersetzung verhindert, dass Manuel, der heute seinen 14. Geburtstag feiert, in Sicherheit und Ruhe in seiner Familie in Deutschland leben und lernen kann. Während andere Jugendliche mit derselben Diagnose, Asperger-Autismus, in Absprache mit den Ämtern z. B. über Fernschule lernen dürfen, wollen die Behörden in Manuels bayerischer Heimatstadt ihn ins bestehende Schulsystem "einpassen" oder psychiatrisieren lassen.

Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Schreiben an den zuständigen Familienrichter am Amtsgericht Ansbach. In der familiengerichtlichen Verhandlung kann schlilmmstenfalls das Sorgerecht für Manuel seiner Mutter entzogen und auf das Jugenamt übertragen werden.

Manuel ist ein Junge mit Asperger Autismus. Dieses wurde bereits 2007 von Frau Dr. Mann, einer ausgewiesenen Spezialistin des Regensburger Kinderzentrums St. Martin, in einem ausführlichen Gutachten bestätigt.

Manuel lernt seit 5 Jahren in der familiären Schutzzone unter Anleitung seiner Mutter Corinna Fischer.

Sie ist staatlich anerkannte Heim- und Jugenderzieherin und hat eine spezielle Zusatzausbildung zur Familienberaterin für Asperger Autismus absolviert.

Manuel wird in wissenschaftlich abgesicherter Weise mittels der Vorgehensweise der Lovaas Therapie daheim angemessen therapiert. Die Lovaas Therapie bringt den Kindern bestimmte Fähigkeiten in kleinen Schritten bei und ermöglicht es ihnen somit, gegebene Informationen zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Sie basiert auf einem Entwicklungscurriculum, das den Stärken und Problemen autistischer Kinder angepasst wurde. Aufgrund der ständig erhobenen Daten kann der Lehrplan den Stärken und Schwächen des Kindes individuell angepasst werden. Um den Abstand zu den Altersgenossen möglichst gering zu halten, ist es das Ziel, dem Kind in möglichst kurzer Zeit die fehlenden Fähigkeiten beizubringen.

In Österreich wurde dies weiter entwickelt. Die Eltern werden gecoacht und nach wenigen Therapiestunden wenden die Eltern das Gelernte zu hause an. Dadurch sind die 30 - 40 h Therapie in Familie gewährleistet, die eine solche Therapie als Minimum vorsieht. Innerhalb von nur 1-2 Jahren sind größte Fortschritte erkennbar.

Manuel lernt neben dem akademischen Wissen, mit seinen Besonderheiten und den Anforderungen seiner Umwelt und seiner Mitmenschen umzugehen und diese Fähigkeiten gelingend zu verbinden.

Dies ist für ihn eine wichtige Entwicklungsaufgabe, zu der er die Möglichkeit des Ausruhens und Für-sich-Sein-Könnens nach den besonderen Notwendigkeiten des Asperger Autisten braucht, um Stress durch kurzzeitige "Auszeit" zu regulieren und das Gelernte zu verarbeiten, ohne in eine Überbeanspruchung zu geraten, die sich auf ihn und seine Zukunft äußerst schädlich auswirken würde.

Durch die Zuwendung seiner Familie und vieler Menschen in seinem Umfeld, die ihm sehr zugetan sind, hat Manuel als Asperger Autist die Möglichkeit, Wissen über andere Menschen und ein gelingendes Miteinander angstfrei zu sammeln, was es ihm ermöglicht, gelingend zu kommunizieren.

Auch wenn alle diese wichtigen Kenntnisse für ihn als einem Menschen mit Asperger Autismus zum überwiegenden Teil über den Intellekt und nicht über das Gefühl zu erlangen waren, ist es nur möglich, wenn der Asperger Autist weitestgehend angst- und stressfrei, mit Wohlgefühl und Vertrauen in die Bezugsperson lernen kann.

Aufgrund bester Voraussetzungen, die Manuel in seinem Umfeld zur Verfügung hat, konnte er sich in den letzten schulfreien Jahren relativ störungsfrei entwickeln und in Folge dessen schon den Entwicklungsschritt zum selbst kenntnisreichen Asperger Autisten meistern, der seine Handicaps kennt und mit ihnen für sein Lebensalter im Vergleich zu anderen Asperger Autisten schon sehr erfolgreich gelingend umgehen kann.

Asperger Autismus ist keine Krankheit, die heilbar ist, sondern eine Disposition, mit der sich der Heranwachsende im besten Falle immer kenntnisreicher arrangieren kann, um später ein weitestgehend selbständiges Leben meistern zu können.

Auch in der jetzigen Entwicklungsphase bedarf Manuel seines gewohnten, schützenden Umfeldes, um diese höchst sensible Anforderung gelingend zu meistern. Nur dann hat Manuel die Chance, als ein gesunder besonderer Mensch mit uns zusammen zu leben. Das wünsche ich mir für ihn, für seine Familie und für uns, die Unterzeichnenden.


Zu seinem 14. Geburtstag geht von hier der Wunsch in die Welt hinaus, dass das behördliche und juristische Tauziehen um Manuel endlich ein Ende nimmt, denn es ist beschämend, dass ein Junge, der sich mit handfesten Problemen auseinandersetzen muss, auch noch vollkommen unnötige Probleme gemacht bekommt. Manuel soll in Ruhe in seiner Familie leben und lernen dürfen, nach seinen Bedürfnissen, und sich dabei sicher fühlen können, ohne die Ängste ausstehen zu müssen, dass eines Tages plötzlich Polizei und Behördenvertreter kommen und ihn aus dem Elternhaus verschleppen könnten.



Montag, 21. Juli 2008

Bildungsrecht statt Schulbesuchspflicht

Es gibt zwei weitere Buttons, wiederum von Martina Middeldorf entworfen:


Die Originalvorlagen können über Email angefordert und zur Fertigung von Buttons oder Stickers verwendet werden.

Sonntag, 6. Juli 2008

6. Juli 2008: 70 Jahe Schulzwang in Deutschland

Zum ersten Schulzwang-Gedenktag am heutigen Sonntag, den 6. Juli 2008, hat das Netzwerk Bildugsfreiheit eine Presseerklärung herausgegeben, die Sie nachfolgend lesen können:

Frei lernt es sich besser

70 Jahre Schulzwang sind genug – ein Relikt hat sich überlebt

Als am 6. Juli 1938 die nationalsozialistische Führung unter Adolf Hitler und Reichsminister Dr. Rust in Berchtesgaden das Reichsschulpflichtgesetz unterzeichnete, konnte sie nicht ahnen, dass die wesentlichen Bestandteile dieses Gesetzes auch 70 Jahre danach noch ihre Gültigkeit haben würden. Mit dem Untergang des vermeintlich „tausendjährigen Reiches“ verschwanden zwar die meisten Gesetze und Verordnungen aus jener Zeit, der europaweit einmalige deutsche Schulzwang, der es dem Staat ermöglicht, Schüler mit Hilfe der Polizei und notfalls unter Einsatz von Gewalt der Schule zuzuführen, blieb unverändert. Die Schulgesetze der meisten Bundesländer übernahmen den Paragraphen fast wörtlich in ihre Gesetzgebung.

Der 6. Juli 1938 stellte eine historische Zäsur dar, waren doch bis zu diesem Tag auch schulfreie, alternative Bildungswege möglich und wurden, wenn auch in bescheidenem Maße, praktiziert. Obwohl 1717 in Preußen die Schulpflicht eingeführt wurde, konnte man in der Reichsverfassung vom 28.3.1849 noch lesen: „Der häusliche Unterricht unterliegt keiner Beschränkung“. Die bestehende Schulpflicht wurde bis 1938 immer im Sinne einer Unterrichtspflicht verstanden und ließ Ausnahmen zu. Die meisten demokratisch verfassten Staaten der Welt kennen daher bis heute keinen Schulzwang, sondern praktizieren eine Bildungspflicht, die Raum für eine Vielzahl von Alternativen bietet, wie Kinder heute lernen.

Der im Kern gewalttätige Schulzwang hat in Deutschland solch abstruse Blüten getrieben, dass 2007 die 15-jährige Tochter einer vorbildlichen Erlanger Familie zwangsweise mit einem Großaufgebot an Polizei und Jugendamt in die Psychiatrie verbracht wurde. Ihr Vergehen: Sie wurde zu Hause individuell unterrichtet und gefördert, statt weiter die öffentliche Schule zu besuchen, wo ihr das Lernen zunehmend Schwierigkeiten bereitete.

Die Akademikerfamilie Dudek aus dem hessischen Archfeld wird ihre Vorliebe für freie Bildungsformen in Kürze mit Gefängnis bezahlen müssen. Der älteste Sohn lernte zwar zu Hause so gut, dass er jetzt seinen Realschulabschluss als Klassenbester mit der Note 1,1 absolvierte, der Geist des Reichsschulpflichtgesetzes forderte jedoch seinen Tribut in Form von je 3 Monaten Haft für Vater und Mutter.

Andere Freilernerfamilien verlassen Deutschland und ihr gewohntes Umfeld, erfreuen sich aber nun der wiedergewonnen Freiheit in unseren europäischen Nachbarstaaten.

Dass eine Atmosphäre des Zwangs und Drucks kein nachhaltiges, erfolgreiches Lernen fördert, ist in der Fachwelt mittlerweile unumstritten. Dass deutsche Bildungspolitiker unter allen Umständen auf der Präsenz in einem Schulgebäude bestehen, obwohl Lernen an anderen Orten und anderen Umständen häufig mindestens genauso gut, wenn nicht besser gelingt, ist weder nachvollziehbar noch zeitgemäß.

Es ist an der Zeit, eindeutige Vorgaben des UN-Sonderbeauftragten Vernor Munoz umzusetzen, der bei seinem Besuch in Deutschland gefordert hatte, dass „Bildung nicht auf reine Schulanwesenheit reduziert werden darf“. Vielmehr seien „Fernlehrmethoden und Homeschooling .... gültige Optionen..., die unter bestimmten Umständen weiterentwickelt werden können.“

Das Netzwerk Bildungsfreiheit fordert den deutschen Schulzwang nach 70 Jahren endgültig zu beerdigen und die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen, dass vielfältige schulische und schulfreie Bildungswege möglich werden, die zueinander in Konkurrenz treten und sich gegenseitig bereichern. Wir halten Freiheit und Vielfalt anstelle von staatlichen Monopolen für den besten Ausweg aus der deutschen Bildungsmisere. Bundeskanzlerin Merkels Motto „Mehr Freiheit wagen“ sollte endlich auch für den Bildungsbereich gelten.

Das "Netzwerk Bildungsfreiheit" ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Organisationen, Elterninitiativen und Einzelpersonen, denen das Recht auf freien Zugang zur Bildung, freie Wahl und freie Gestaltung des individuellen persönlichen Bildungsweges unter Zuhilfenahme öffentlicher wie privat initiierter Ressourcen ein Anliegen ist.


Weitere Informationen dazu finden Sie auf dieser Sonderseite des Netzwerkes Bildungsfreiheit.

Einen offenen Brief zum Schulzwang-Gedenktag finden Sie auf dem Marksteine-Blog.